2026 ist ein Rekordjahr für Übernahmen. Gleichzeitig schließen die größten Unternehmen der Welt Allianzen in einer Größenordnung, die es so noch nicht gab. Das ist kein Widerspruch. Wer Größe will, kauft. Wer eine Fähigkeit braucht, die sich schneller verändert, als man sie integrieren kann, verbündet sich. Die Frage ist nur, ob man eine Allianz auch zusammenhalten kann.
- 3,16 Bio. US$ globales M&A-Volumen im ersten Halbjahr 2026, Rekord
- 15,9 % hält Volkswagen inzwischen an Rivian, mehr als jeder andere Aktionär
- 2,75 Mrd. US$ Volumen der Allianz von Eli Lilly und Insilico Medicine
- 30 statt 100 Mrd. US$ hat Nvidia am Ende in OpenAI investiert
Kaufen und verbünden zugleich
Wer nur auf die Übernahmen schaut, sieht ein Boomjahr. Im ersten Halbjahr 2026 lag das weltweite M&A-Volumen bei 3,16 Billionen Dollar, 44 % mehr als ein Jahr zuvor. Getragen wird das von wenigen Riesendeals. Die Zahl der Transaktionen ist sogar leicht gesunken.
Legt man daneben die großen Partnerschaften des Jahres, zeigt sich ein zweites Muster. Dort, wo es um Fähigkeiten geht, um KI, Software und Forschung, wird auffällig selten gekauft und auffällig oft angedockt.
- Anthropic hat langfristige Rechenkapazität bei allen drei großen Cloud-Anbietern gesichert: rund 110 Mrd. Dollar bei Amazon, rund 111 Mrd. bei Google und rund 31 Mrd. bei Microsoft.
- Volkswagen hat Rivian nicht übernommen, sondern 2024 ein Gemeinschaftsunternehmen für Elektronik-Architektur und Software gegründet. Über die Zahlungen an Rivian ist VW seit Mai 2026 der größte Aktionär.
- Eli Lilly hat kein KI-Labor gekauft, sondern sich im März 2026 mit Insilico Medicine verbündet. 115 Mio. Dollar fließen vorab, der Rest hängt an Meilensteinen.
- Selbst im Supermarktregal funktioniert das: Mondelez und Lotus Bakeries, eigentlich Wettbewerber, haben 2024 vereinbart, gemeinsam Schokoladenprodukte mit Biscoff zu entwickeln. Im September 2026 kamen Toblerone-Trüffel mit Biscoff-Creme dazu.
Vier Branchen, dieselbe Logik. Man muss eine Fähigkeit nicht besitzen, um sie zu nutzen.

Warum gerade jetzt
Der Grund heißt Geschwindigkeit. Fähigkeiten veralten heute schneller, als ein Unternehmen sie integrieren kann. Eine Übernahme bindet Sie über Jahre an eine Technologie, eine Kultur und eine Wette. Eine Allianz gibt Ihnen Zugang zur Fähigkeit, ohne den ganzen Apparat drumherum zu übernehmen, und Sie können nachsteuern, wenn sich der Markt dreht.
Das ist der Kern jeder guten Partnerschaft, nur in größerem Maßstab. Der beste Weg zu einer Fähigkeit, die man selbst nicht hat, ist selten der Kauf. Oft ist es klüger, sich mit dem zu verbünden, der sie schon beherrscht.
Struktur schlägt Größe
Die Autoindustrie liefert den Kontrast. Honda und Nissan wollten Ende 2024 fusionieren und haben die Gespräche im Februar 2025 abgebrochen. Gut anderthalb Jahre später, Ende August 2026, haben beide eine deutlich kleinere Vereinbarung unterschrieben: Sie entwickeln gemeinsam Steuergeräte und Software für ihre nächste Fahrzeuggeneration, ab dem Geschäftsjahr 2029. Kein gemeinsames Dach, sondern ein klar umrissenes Projekt.
Volkswagen und Rivian sind diesen Weg von Anfang an gegangen. Klare Rollen, eine gemeinsame Technikplattform, Geld gegen erreichte Meilensteine. Die große Fusion ist an ihrer eigenen Ambition gescheitert, die eng geschnittene Partnerschaft trägt.
Die Kehrseite, über die selten jemand spricht
Allianzen sehen elegant aus, sind aber schwerer zusammenzuhalten als Übernahmen. Eine Übernahme ist am Ende eine Frage von Eigentum. Eine Allianz lebt von Vertrauen, gemeinsamen Anreizen und einem klaren Ausstiegspfad, und all das kann kippen.
Selbst die größte Absichtserklärung des KI-Booms ist geschrumpft. Nvidia hatte im September 2025 angekündigt, bis zu 100 Mrd. Dollar in OpenAI zu stecken. Verbindlich war das nie. Investiert hat Nvidia schließlich 30 Mrd. Dollar als Teil einer großen Finanzierungsrunde. Die Zusammenarbeit läuft weiter, aber in einer ganz anderen Form als angekündigt.
Noch deutlicher wird es, wenn sich das Umfeld ändert. Die Net-Zero Banking Alliance, das Klimabündnis der Banken, hat sich im Oktober 2025 aufgelöst, nachdem große Mitglieder unter politischem Druck ausgetreten waren. In der Containerschifffahrt haben sich die Bündnisse Anfang 2025 komplett neu sortiert: Maersk und MSC haben ihre 2M-Allianz beendet, Maersk fährt seither mit Hapag-Lloyd in der Gemini Cooperation. Der Auslöser war selten Streit zwischen den Partnern. Es war die Welt drumherum, die sich verändert hat, und ein Bündnis, das darauf nicht vorbereitet war.
Begeisterung startet eine Partnerschaft. Am Leben hält sie nur die Struktur.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Neu ist nicht, dass Unternehmen Partner brauchen. Neu sind Tempo und Größenordnung, in der sich selbst direkte Wettbewerber verbünden, weil allein keiner schnell genug ist.
Wer da mitspielen will, braucht mehr als den Mut, eine Partnerschaft zu beginnen. Er braucht die Fähigkeit, sie zu führen:
- Rollen klären, bevor der Vertrag unterschrieben ist
- Anreize so verzahnen, dass beide Seiten am selben Ergebnis verdienen
- eine Governance aufsetzen, die auch dann funktioniert, wenn die Gründer der Partnerschaft nicht mehr am Tisch sitzen
- den Ausstieg mitdenken, bevor man ihn braucht
Michael Brinkmann hat bei Wirecard 14 Jahre lang Allianzen verantwortet, unter anderem mit Google, SAP und Microsoft, und Partnerschaften auf beiden Seiten des Tisches verhandelt. Die entscheidende Frage ist deshalb selten, ob sich ein Unternehmen verbünden sollte. Sie lautet, ob jemand da ist, der diese Bündnisse auch zusammenhält.
Wenn Sie gerade vor einer solchen Entscheidung stehen, sprechen Sie uns an.
Dieser Artikel enthält KI-generierte Inhalte.
Datenbasis
- M&A-Volumen 1. Halbjahr 2026: 3,16 Bio. US$, plus 44 % gegenüber 2,19 Bio. US$ im Vorjahr, 21.340 Transaktionen nach 21.978 (Mergermarket / ION Analytics, Juli 2026).
- Anthropic: Zusagen von rund 110 Mrd. US$ (Amazon), 111,1 Mrd. US$ (Google) und 31,4 Mrd. US$ (Microsoft) laut Reuters-Auswertung, zitiert nach CloudComputing News, 2026.
- Volkswagen und Rivian: Joint Venture seit November 2024, Zusage bis 5,8 Mrd. US$, VW-Anteil 15,9 % vor Amazon mit 12,3 % (TechCrunch, 5. Mai 2026).
- Eli Lilly und Insilico Medicine: bis zu 2,75 Mrd. US$, davon 115 Mio. US$ vorab (The Decoder, März 2026).
- Nvidia und OpenAI: Absichtserklärung über bis zu 100 Mrd. US$ (September 2025), Investition von 30 Mrd. US$ in die 122-Mrd.-Runde von OpenAI (Bloomberg, 1. April 2026; Aussage Jensen Huang, Bloomberg, 4. März 2026).
- Honda und Nissan: Ende der Fusionsgespräche im Februar 2025, Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von Steuergeräten und Software vom 31. August 2026 (Honda Newsroom).
- Mondelez und Lotus Bakeries: Partnerschaft seit Juni 2024 (RetailDetail), neue Toblerone-Trüffel mit Biscoff-Creme im September 2026 (Option Finance).
- Net-Zero Banking Alliance: Beschluss der Mitglieder zur Einstellung der Arbeit im Oktober 2025 (Carbon Pulse, Bloomberg Tax).
- Containerschifffahrt: Ende der 2M-Allianz von Maersk und MSC, Start der Gemini Cooperation von Maersk und Hapag-Lloyd im Februar 2025 (gCaptain).
- Titelbild: Clifton Suspension Bridge, Foto von Jonny Gios auf Unsplash.